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EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2026: Was HR jetzt wissen muss

Geschrieben von Sina Scheld | 01. Juni 2026

 

Sicherlich hast du bereits auf dem Schirm, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss – und Unternehmen dadurch künftig zu deutlich mehr Gehaltstransparenz verpflichtet werden.

Doch was bedeutet das für deine HR-Praxis? Spätestens jetzt mutiert das Thema vom fernen Bürokratie-Gespenst zur handfesten To-do-Liste auf deinem Schreibtisch. Denn hinter den Paragrafen stecken ganz reale Fragen: Wie erklärst du dem Team gewachsene Gehaltsunterschiede? Und wie behältst du im Recruiting überhaupt noch Verhandlungsspielraum?

Keine Sorge, wir schauen uns das Ganze ohne Juristen-Deutsch an – und zeigen dir, wie du die neuen Regeln als echte Chance für deine Employer Brand nutzt.

Stichtag Juni: Wo steht das Entgelt-transparenzgesetz 2026 in Deutschland aktuell?

Seit Juni 2026 muss Deutschland die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen. Für Unternehmen bedeutet das: strengere Regeln bei Gehaltstransparenz, mehr Auskunftsrechte für Mitarbeitende und neue Pflichten für HR – etwa bei Reporting, Equal Pay und Gehaltsangaben im Recruiting. Viele Details werden aktuell noch konkretisiert, klar ist aber: Das Thema wird deutlich relevanter und verbindlicher als bisher.

Wie war es bisher?

Seit 2017 gibt es in Deutschland bereits ein Entgelttransparenzgesetz. In der Praxis hatte dieses Gesetz für die meisten HR-Abteilungen allerdings kaum spürbare Konsequenzen. Einen Auskunftsanspruch (also das Recht zu erfahren, was die Kolleg:innen verdienen) hatten Mitarbeitende erst in Betrieben ab 200 Beschäftigten. Zudem waren die bürokratischen Hürden hoch und die Anfrage kompliziert. Mitarbeitende erfuhren nur den sogenannten Median (Zentralwert) von mindestens sechs Kolleg:innen des anderen Geschlechts in einer vergleichbaren Position. Viele Angestellte wussten gar nichts von diesem Recht. Auch wenn Unternehmen Gehaltslücken nicht schlossen, drohten im Grunde keine harten Sanktionen.

Was ändert sich jetzt?

  • Mehr Transparenz im Recruiting:
    Künftig müssen Bewerber:innen bereits früh im Bewerbungsprozess Informationen zur Vergütung erhalten – etwa eine Gehaltsspanne oder das Einstiegsgehalt. Fragen nach dem bisherigen Gehalt oder der Gehaltshistorie sind künftig gesetzlich verboten.

  • Höhere Anforderungen an die Dokumentation:
    Können Unternehmen Gehaltsunterschiede zwischen vergleichbaren Tätigkeiten nicht sachlich begründen, steigt das rechtliche Risiko deutlich. Arbeitgeber:innen müssen Vergütungsentscheidungen künftig transparenter und nachvollziehbarer dokumentieren.

  • Pflichten bei Gehaltslücken:
    Gibt es bei gleicher Arbeit zwischen den Geschlechtern einen Gehaltsunterschied von über 5 %, für den es keinen sachlichen Grund gibt? Dann musst du handeln. In diesem Fall ist eine offizielle Überprüfung mit den Arbeitnehmervertreter:innen Pflicht, um diese Lücke schnellstmöglich zu schließen.

Der aktuelle Stand im Juni 2026: Die EU-Umsetzungsfrist läuft ab, die vollständige nationale Umsetzung in Deutschland befindet sich jedoch noch im Gesetzgebungsverfahren. Klar ist aber schon jetzt: Unternehmen sollten ihre Gehalts- und Bewertungsstrukturen frühzeitig prüfen, statt erst auf verbindliche nationale Vorgaben zu warten.

Warum ist das Entgelttransparenzgesetz so wichtig?

In Deutschland liegt der unbereinigte Gender Pay Gap seit Jahren relativ konstant bei 16 %, der bereinigte hingegen bei rund 6 %. Das ist im europäischen Vergleich leider ein Spitzenwert.

Wenn du mehr über den Gender Pay Gap erfahren willst, lies hier unseren Blogbeitrag dazu.

Die neue EU-Richtlinie zieht eine messerscharfe rote Linie bei 5 %. Wenn in deinem Unternehmen bei gleicher Arbeit ein Gehaltsgefälle von mehr als 5 % zwischen den Geschlechtern existiert und du das nicht sachlich (z. B. durch Erfahrung) begründen kannst, musst du die Gehälter zwingend anpassen. 

Für wen gilt das Entgelttransparenzgesetz 2026?

Die Richtlinie betrifft grundsätzlich alle Arbeitgeber in der EU, doch die konkreten Berichts- und Offenlegungspflichten sind nach Unternehmensgröße gestaffelt. Das ist der zeitliche HR-Fahrplan:

  • Ab 250 Beschäftigten:
    Diese Unternehmen müssen den ersten Entgeltbericht bereits im Jahr 2027 (für das Kalenderjahr 2026) vorlegen und danach jährlich reporten.

  • Zwischen 150 und 249 Beschäftigten:
    Hier greift die Berichtspflicht ebenfalls ab 2027, allerdings im Rhythmus von allen drei Jahren.

  • Zwischen 100 und 149 Beschäftigten:
    Kleinere mittlere Unternehmen haben etwas mehr Puffer. Die erste Berichterstattung steht im Jahr 2031 an (alle drei Jahre).

  • Unter 100 Beschäftigten:
    Für Kleinst- und Kleinunternehmen gibt es aktuell keine formelle Pflicht zur Berichterstattung, der individuelle Auskunftsanspruch für Mitarbeitende gilt jedoch für alle.

HR-Checkliste: Die 4 wichtigsten Schritte zur Vorbereitung

  1. Gehalts-Audit durchführen (Die Bestandsaufnahme):
    Warte nicht, bis die erste Anfrage kommt. Schmeiß Excel an oder nutze deine HR-Software, um den Ist-Zustand zu analysieren. Wo gibt es bei gleicher Arbeit Abweichungen zwischen den Geschlechtern von mehr als 5 %?

  2. Job-Architektur und Kriterien schärfen:
    Da du Gehaltsunterschiede künftig sachlich begründen musst, brauchst du ein klares System. Lege schriftlich fest, welche Kriterien (z. B. Betriebszugehörigkeit, spezifische Zertifikate, Führungsverantwortung) zu welcher Gehaltsstufe führen.

  3. Recruiting-Prozesse und Job-Ads anpassen:
    Überarbeite deine Stellenvorlagen. Wo steht noch „Gehalt nach Vereinbarung“? Definiere realistische Gehaltsbänder für offene Positionen und briefe deine Recruiter:innen, dass die Frage nach dem alten Gehalt im Interview nun nicht mehr auf den Tisch kommt. 

  4. Führungskräfte abholen und Kommunikation vorbereiten:
    Die Fragen der Mitarbeitenden landen oft zuerst bei den Teamleads. Bereite kurze Guidelines oder FAQ-Listen für deine Führungskräfte vor, damit diese sprachfähig sind, wenn das Team plötzlich über Geld sprechen möchte.

Risiko oder Chance? Wie Equal Pay deine Employer Brand pusht

Wenn man die aktuellen Diskussionen in der Wirtschaft verfolgt, könnte man meinen, die neue Richtlinie sei der endgültige Endgegner für jede HR-Abteilung. Massenhaft neue Prüfpflichten, das Ende des Verhandlungsspielraums im Recruiting und die Angst vor Unruhe im Team, wenn Gehälter plötzlich vergleichbar werden – die Liste der Sorgen ist lang.

Aber wechseln wir mal die Seiten:

Gute Argumente, warum man im Jahr 2026 transparent über Lohn sprechen und Lohngerechtigkeit einführen sollte:

  • Neuer Spielraum durch Argumente:
    Dein Verhandlungsspielraum verschwindet nicht, er verschiebt sich. Statt um das Ob der Bezahlung verhandelst du künftig über das Warum. Ein klares Gehaltsband gibt dir die perfekte Argumentationsbasis, um Einstiegsgehälter anhand von handfesten Kriterien (wie Zusatzqualifikationen oder relevanter Berufserfahrung) transparent zu begründen.

  • Keine bösen Überraschungen:
    Wenn die Gehaltsspanne von Anfang an offenliegt, verhinderst du, dass Bewerber:innen nach drei Runden im finalen Gespräch abspringen, weil die monetären Vorstellungen meilenweit auseinanderliegen. Das spart HR-Ressourcen.

  • Erwartungen der Next Gen erfüllen:
    Auf Plattformen wie Kununu oder Glassdoor teilen Talente ihre Gehälter längst anonym. Gen Y und Gen Z fordern Transparenz nicht nur, sie setzen sie voraus.

  • Vertrauen statt Missgunst:
    Was Teams wirklich demotiviert, ist nicht ein höheres Gehalt der Kolleg:innen – sondern das Gefühl, dass die Verteilung unfair oder willkürlich ist. Lohngerechtigkeit schafft psychologische Sicherheit. Wenn jede:r weiß, welche Leistung zu welchem Gehalt führt, entsteht eine Kultur des Vertrauens und der Motivation.


Fazit

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bringt für Unternehmen spürbare Veränderungen – besonders in Recruiting, Vergütungsstrukturen und interner Kommunikation.

Auch wenn viele HR-Abteilungen das Thema zunächst vor allem mit zusätzlichem Aufwand verbinden, steckt darin eine echte Chance: Wer faire und nachvollziehbare Gehaltsstrukturen schafft, stärkt Vertrauen, Arbeitgebermarke und Mitarbeiterbindung gleichermaßen. Unternehmen, die jetzt handeln, verschaffen sich nicht nur rechtlich mehr Sicherheit, sondern auch einen klaren Vorteil im Wettbewerb um Talente.

 

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