Ist Coffee Badging erlaubt? Wissen und Tipps für HR

Die Rückkehr ins Büro bringt Herausforderungen wie Coffee Badging. Was steckt dahinter – und wie sollte HR damit umgehen?




Die aktuelle Diskussion um das Homeoffice-Ende und die Rückkehr ins Büro nimmt kein Ende. Dabei wird in vielen Unternehmen mit wiederkehrender Präsenzpflicht vermehrt ein neues Phänomen beobachtet: das Coffee Badging.

Mitarbeiter:innen erscheinen im Büro, um Präsenz zu zeigen - und weniger, um wirklich zu arbeiten. Dabei spielen rechtliche Aspekte zur Arbeitszeit eine große Rolle. Sollte dieses Verhalten beobachtet werden, muss HR einschreiten. Doch woher kommt dieses Phänomen - und ist es überhaupt erlaubt?

Was versteht man unter Coffee Badging?

Coffee Badging mit Kollegin

Coffee Badging ist ein neues Phänomen in der Arbeitswelt, in der Menschen im Büro “auf einen Kaffee mit den Kolleg:innen” erscheinen, um Sichtbarkeit zu zeigen - und weniger, um wirklich zu arbeiten. Gemeint ist, dass sie kurz ins Büro kommen, Präsenz zeigen und dann wieder ins Homeoffice wechseln.

Man könnte es auch mit Begriffen wie “Alibi-Anwesenheit” oder “Kurzzeitpräsenz” einfach erklären.

Dieses Phänomen ist durch die Rückkehr ins Büro aufgetreten. Viele Mitarbeiter:innen sind nicht bereit für ein Homeoffice-Ende und wollen ihre Privilegien zur freien Arbeitsplatzwahl nicht mehr hergeben. Damit versuchen sie, eine strikte Präsenzpflicht unauffällig zu umgehen.

Ob Coffee Badging ein arbeitsrechtliches Thema ist oder eine Warnung für HR bezüglich mangelnder Unternehmenskultur, hängt von individuellen Vereinbarungen und Regeln ab.

Ist Coffee Badging erlaubt?

Coffee Badging zeigt Sichtbarkeit im Büro

Entscheidend ist, was zwischen den Parteien festgelegt wurde: Welche Präsenzregelungen und Homeoffice-Regeln gelten und wurden diese verständlich für beide Seiten oder im besten Fall schriftlich kommuniziert? Nur so könnt ihr ausschließen, dass kein Versehen vorliegt.

Umgehen Mitarbeiter:innen aber klar die festgelegten Regelungen, kann das natürlich zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen - von einer Abmahnung bis hin zu einer Kündigung.

Für HR ist sollte dabei wichtig sein zu unterscheiden, ob es sich um einen einmaligen Verstoß handelt, oder dokumentierbar regelmäßige Verstöße erkennbar sind. 

Dann könnten die die Homeoffice-Privilegien entzogen werden - von der einzelnen Person bis zur kollektiven “Bestrafung”. Arbeitnehmer:innen, die Coffee Badging betreiben, riskieren also nicht nur ihre eigenen Privilegien, sondern ihr Verhalten kann Nachteile für alle Kolleg:innen haben.

Es sollte aber bewusst sein, dass Coffee Badging eine Reaktion auf eine schlecht gemachte Return-to-Office sein kann. Also eine Trotzreaktion. Generell kann HR ganz viel dagegen tun und sollte dringend untersuchen, woher diese bewusste Entscheidung gegen die Präsenzpflicht kommt.

Coffee Badging als Präsenzpflicht im Büro

Coffee Bading: Tipps für HR

Wie kann HR Coffee Badging präventiv verhindern?

Bevor Unternehmen ein vollständiges Homeoffice-Ende verhängen, sollten sie Gedanken machen, warum eine Rückkehr zur Präsenzpflicht gewünscht wird. Leistung sollte nicht an Sichtbarkeit gemessen werden.

Wenn eine Präsenzpflicht jedoch verhängt wird, sollten Unternehmen sich auch über mögliche Konsequenzen, wie unter anderem Coffee Badging, bewusst werden. Eventuell gibt es zu wenig Anreize, zurück ins Büro zu kommen.

Am ehesten vermeidet ihr Coffee Badging, wenn ihr echte Anreize für eure Mitarbeiter:innen schafft, ins Büro zu kommen, auch ohne Präsenzpflicht - statt Verbote zu verhängen und Privilegien wegzunehmen.

  • Unternehmenskultur verbessern: Ihr stärkt das Teamgefühl mit Teambuilding-Maßnahmen, aber auch mit gerechten Regelungen. Neue Arbeitzeit- oder Arbeitsortregeln sollten für alle Mitarbeiter:innen, unabhängig ihrer Position, gleich gelten. Bevorzugung von Führungskräften beispielsweise schafft Unzufriedenheit und widerspricht häufig den Unternehmenswerten. 

  • Arbeitsplätze sinnvoller gestalten: Fehlende Ergonomie, eine zu kalte Klimaanlage oder eine schlechte Anbindung oder Parkplatzsituation können Gründe sein, warum Mitarbeiter:innen lieber zu Hause bleiben. Gestaltet Arbeitsplätze also so, dass konzentriertes Arbeiten und entspannte Anreise möglich sind. 

  • Bessere Benefits fürs Privatleben: Die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben stellt viele Mitarbeiter:innen vor eine große Herausforderung und können Grund für häufiges Coffee Badging sein. Wenn ihr die Präsenzpflicht wieder einführt, müsst ihr auch das Privatleben unterstützen und wirklich entlasten, z.B. durch eine Kinderbetreuung oder Sportangebote vor Ort.

Rückkehr ins Büro

Wie sollte HR mit Coffee Badging umgehen?

Solltet ihr bereits den Verdacht von Coffee Badging in eurem Unternehmen hegen, ist es grundsätzlich wichtig zu unterscheiden: handelt es sich um eine einzelne Person oder ganze Teams? Bei mehreren Personen sollte HR definitiv Änderungen in Betracht ziehen, da es hier strukturelle Probleme im Unternehmen zu geben scheint. Bei Einzelpersonen raten wir folgendes:

  • Gespräch suchen: Versucht, erst einmal eure Mitarbeiter:innen und ihre Beweggründe zu verstehen. Gibt es vielleicht Spannungen in der Belegschaft, die umgangen werden wollen oder erschwert das Familienleben die Arbeit ohne Homeoffice? 

  • Arbeitsumfeld verbessern: Versucht, konkrete Lösungen für die Probleme der Mitarbeiter:innen zu finden, um positive Anreize zu setzen. Löst ggf. Spannungen in der Belegschaft, um das Arbeiten trotz Präsenzpflicht so angenehm wie möglich zu gestalten. 

  • Arbeitsrechtliche Schritte: Klärt unbedingt über arbeitsrechtliche Konsequenzen auf. Sollte keine Einsicht oder Besserung folgen, müsst ihr selbst entscheiden, ob ihr dieser Person die Homeoffice-Privilegien wegnehmt oder weitere notwendige Konsequenzen zieht. 

Präsenzpflicht im Büro

Fazit

Die Diskussion um die Rückkehr ins Büro lässt nicht nach. Daher wird auch das neue Phänomen Coffee Badging, bei dem Mitarbeiter:innen durch kurze Besuche und Kaffeegespräche mit den Kolleg:innen versuchen, Sichtbarkeit zu zeigen, nicht verschwinden. Es ist viel mehr ein Symptom der Präsenzpflicht.

Unternehmen sollten sich daher ein Homeoffice-Ende gut überlegen. Für HR bedeutet es auf jeden Fall, präventiv zu handeln. Ihnen stehen verschiedene Benefits als Instrumente zur Verfügung, um arbeitsrechtliche Konsequenzen im besten Fall vermeiden und die Mitarbeiterzufriedenheit dennoch steigern zu können.


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